Text zu Antonius Contes Bronzegüssen: “Umkehr-Ikonen”.

Bronzegüsse und Bilder: Antonius Conte
 

Umkehr-Ikonen des westlichen Konsumdschungels

Text: Christoph Meier, schreib-service.ch

Die Bronzegüsse sind als unbewusst bewusste Transzendierungen eines gesellschaftlichen Zustandes von Konsum und Lust auf schnellen Wandel entstanden. Das Niedrigste aus der Skalierung des Konsumismus und der Abfall werden zu Ikonen erhoben, zu einem Altar der Sehnsüchte nach dem Wunderbaren.

Die sammlerische Praxis des Künstlers führt zu den Plastiken, welche aus Exponenten persönlicher Alltags-Einkäufe entstehen, indem die Verpackungen von selber angeeigneten Konsumwaren – ursprünglich intuitiv – gesammelt und später „geschlachtet” (siehe Monotypien, Drucke) oder ausgegossen werden. Dieses Wegwerfmaterial erfährt so eine paradigmatische Transformation und gelangt in einen befestigten Zustand. Das Nichts wird Etwas, der sinnentleerte Hohlraum wird magischer Körper.

Der Antrieb für diese Arbeit ist eine langjährige Leidenschaft des Künstlers für das Unscheinbare, das Weggeworfene; die Wegränder der Konsumautobahnen. Er entfernt sich jedoch in der autobiografischen Dimension nicht von dieser Form der Lebensführung, sondern erforscht eben darin prototypische Muster. So gelingt es schliesslich, die Angebote des Marktes, obwohl als Verhängnis und nicht als Freiheit empfunden, in einen abenteuerlichen und unberechenbaren Quellendschungel umzufunktionieren. Der Mensch als Homo Sapiens wird im Spannungsfeld von Individualitätsbestrebung und kollektivem Verbraucherrausch und -zwang dingbar gemacht.

In der Nachbearbeitung der Bronzegüsse werden Contes Haustiere, zwei Esel, zu wichtigen Partnern. Für die stark archäologisierende Patina werden die Exponate für längere Zeit in Eselmist begraben und regelmässig mit dem Urin der Tiere behandelt. Es wird somit ein Zustand von mehreren Tausend Jahren Alterung erzeugt und die Objekte wirken in der Folge wie Funde aus einem prähistorischen Zeitalter. Auf einer Nebenbühne des sich weiter und immer totalitärer ausbreitenden Materialismus wird durch die Ausgüsse des „Hohlen” ein mystisch anmutender Schatz geborgen; als Pseudo-Zitat einer hochromantischen, religiösen und idealistischen Weltanschauung.

Die Auswahl der benutzten Räume aus dem Verpackungsmaterial folgt keiner kohärenten Logik, sie untersteht dem Prinzip des Zufalls, der durch diese Vorgehensweise herausgefordert wird und sich erst im Resultat definitiv manifestiert.

Der essayistische Arbeitsstil feiert als Wahloption private Vorlieben und reduzierte Anstrengung. Diese Position braucht letztlich wenig Dinglichkeit oder Dringlichkeit, da sie sich an der Poesie der Reduktion nährt.

Link zur Seite des Künstlers Antonius Conte:
http://www.antonius-conte.com
 
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